| Bericht
"Fast jeder Betrieb berichtet über Brandereignisse"
Herr Musa, können Sie kurz erklären, wofür VdS steht und welche Aufgaben die Technische Prüfstelle übernimmt?
Garvin Musa: VdS gehört weltweit zu den renommierten Institutionen für Unternehmenssicherheit. Die Arbeitsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Brandschutz, Security, Naturgefahrenprävention und Cyber-Security.
Die Expertinnen und Experten der Technischen Prüfstelle beurteilen beispielsweise, ob installierte Brandschutzanlagen den VdS-Richtlinien, Merkblättern und Regelwerken sowie den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen.
Wie bewerten Sie die Brandgefahr durch falsch entsorgte Akkus und Batterien?
Unsere Kundinnen und Kunden beschreiben die Gefahr durch falsch entsorgte Akkus als sehr hoch. Fast jedes Unternehmen berichtet in diesem Zusammenhang von Brandereignissen in seinen Betriebsstätten. Dass solche Ereignisse nicht immer glimpflich ausgehen, zeigen leider auch die Berichte in den Medien.
Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen VdS und der AWG Bassum konkret aus?
Die Zusammenarbeit begann bereits im Jahr 2016. Damals wandte sich die zuständige Fachabteilung der AWG mit konkreten Plänen zur Ertüchtigung der Löschanlagentechnik an die Technische Prüfstelle von VdS in Hamburg.
Gemeinsam haben wir die Planung bewertet und an die besonderen Anforderungen und örtlichen Gegebenheiten angepasst. Nach der Errichtung prüften wir die Löschanlagentechnik einschließlich der Branderkennung ausführlich auf ihre Funktionsfähigkeit. Seitdem kontrollieren wir die Anlagen regelmäßig und stehen der AWG bei Fragen als Ansprechpartner zur Verfügung.
Welche Maßnahmen empfehlen Sie, um Akku-Brände in Entsorgungsbetrieben zu verhindern?
Am besten wäre es natürlich, wenn Akkus gar nicht erst fälschlicherweise in die Recycling- und Sortierprozesse gelangen oder rechtzeitig aussortiert werden könnten. Da dies bislang nicht zuverlässig gelingt, muss ein Brandereignis so früh wie möglich erkannt werden, damit schnell reagiert werden kann.
Technische Anlagen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sollten jedoch immer durch organisatorische Maßnahmen ergänzt werden. Auch aufmerksame und gut informierte Mitarbeitende leisten einen wichtigen Beitrag zum Brandschutz.
Die AWG informiert mit der Kampagne „Dein Fehlwurf, unsere Gefahr!“ über die Risiken falsch entsorgter Akkus. Wie wichtig sind solche Aufklärungskampagnen?
Aus unserer Sicht ist diese Aufklärung sehr wichtig. Jeder Akku, der nicht als Fehlwurf in einer Sortieranlage landet, bedeutet ein potenzielles Schadensereignis weniger.
Vielen Menschen ist nicht bewusst, in wie vielen Alltagsprodukten Akkus oder Batterien stecken. Die Bandbreite reicht von blinkenden Schuhen über singende Grußkarten bis hin zu E-Zigaretten. Deshalb ist es entscheidend, auf versteckte Akkus aufmerksam zu machen und über die richtigen Entsorgungswege zu informieren.
Welche technischen Entwicklungen könnten das Risiko durch Akkus künftig verringern?
An unterschiedlichen Stellen wird daran gearbeitet, das Risiko zu reduzieren. VdS hat sich beispielsweise im Jahr 2024 mit Verbänden der Entsorgungswirtschaft, der Versicherungswirtschaft und unter anderem der AWG Bassum ausgetauscht. Gemeinsam wurden neue Merkblätter zur Schadenverhütung entwickelt.
Darüber hinaus wird an Maschinen geforscht, die Akkus im angelieferten Material automatisch erkennen können. Diese Technik befindet sich allerdings noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Bis solche Lösungen zuverlässig verfügbar sind, bleiben Aufklärung und leistungsfähige Löschanlagen besonders wichtig. Eine gute Löschanlage kann dazu beitragen, die Ausbreitung eines Brandes zu verhindern.
Wo sehen Sie politischen oder regulatorischen Handlungsbedarf?
Ein Pfandsystem für Akkus wird regelmäßig diskutiert, dürfte in der praktischen Umsetzung aber schwierig sein. Problematisch wäre beispielsweise ein hoher Pfandbetrag bei vergleichsweise günstigen Produkten.
Hinzu kommt, dass bereits sehr viele Akkus im Umlauf sind. Selbst wenn keine neuen Akkus mehr hinzukämen, würden noch über einen langen Zeitraum entsprechende Produkte entsorgt werden. Deshalb muss die Bevölkerung weiterhin aufgeklärt werden. Gleichzeitig sollte die Rückgabe akkubetriebener Produkte an geeigneten Annahmestellen so einfach wie möglich gestaltet werden.